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Das "neue" Chinaseuchen-Virus 2 beim Kaninchen

Viele Züchter kennen das Szenario: Gestern waren die Kaninchen noch fit, und heute liegen plötzlich mehrere tote Tiere im Stall. Manche zeigen Blutungen aus den Körperöffnungen (Nase, After), andere werden mit überstrecktem Kopf (als Zeichen von Atemnot) vorgefunden.

Das klassische Virus der RHD (=Rabbit Haemorrhagic Disease) wurde 1984 erstmals in China entdeckt und dann über Angorakaninchen nach Deutschland eingeschleppt. Deshalb ist die Krankheit auch unter dem Namen "Chinaseuche" besonders bei Züchtern bekannt.

Der Erreger wird durch Mücken/Flöhe/Fliegen/Zecken oder kontaminiertes Grünfutter übertragen. Auch Menschen oder andere Tiere können Weiterträger sein, ohne selbst zu erkranken.

Von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Erkrankung vergehen meist nur 12 bis 36 Stunden. Bei dieser akuten Form zeigen die Kaninchen Fressunlust, Teilnahmslosigkeit, hohes Fieber und Krämpfe, bevor sie binnen kurzer Zeit versterben. Die chronische Form verläuft wesentlich schwächer und aussichtsreicher, tritt aber nur selten auf.

Besonders betroffen sind Jung- und ungeimpfte Tiere. Es kann zu einem regelrechten Massensterben kommen. Eine Behandlung ist nicht möglich. Es bleibt nur die Möglichkeit, die anderen Kaninchen im Bestand sofort notzuimpfen. Das Virus ist sehr widerstandsfähig in der Umwelt (es überlebt zum Beispiel 14 Wochen bei 20 Grad Raumtemperatur), so dass geeignete Desinfektionsmaßnahmen von großer Bedeutung sind.

Als Schutzmaßnahme sollte kein Kontakt zu wildlebenden Kaninchen oder Feldhasen bestehen. Das  Grünfutter von Wiesen ist gründlich zu waschen. Zur Abwehr von Insekten sind Fliegengitter anzubringen.

Die vorbeugende Impfung erfolgt in der Regel einmal jährlich (möglichst im Frühjahr), meist in Kombination mit dem Myxomatose-Impfstoff.

Seit 2010 ist eine neue Virusvariante bekannt, die erstmals in Frankreich aufgetreten ist. Das RHD2-Virus befällt besonders sehr junge Kaninchen und tötet auch geimpfte Tiere. 2013 trat es in Nordrhein-Westfalen auf und breitet sich mittlerweile in ganz Deutschland aus. England erlebt zur Zeit massive Ausbrüche des hoch aggressiven Stammes.

Die gängigen Impfstoffe bewirken nur einen Teilschutz. Effektiver scheinen ältere Einzelimpfstoffe zu sein, die grundimmunisiert (2 Impfungen im Abstand von 4 Wochen) und danach halbjährlich verabreicht werden müssen. In Frankreich und Spanien gibt es neu zugelassene Impfstoffe auf dem Markt.

Die Erkrankung ist zwar nicht meldepflichtig, sollte in Verdachtsfällen aber dennoch beim Veterinäramt angezeigt werden.