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Zu dick? Mein Haustier isst eigentlich gar nicht viel

Ein Problem unserer Wohlstandsgesellschaft ist das Körperübergewicht – auch bei unseren Vierbeinern.

Dieses schadet in erster Linie dem Herz-Kreislauf-System und belastet die Gelenke übermäßig. Es führt aber auch zu Magen-Darm-Unverträglichkeiten und Stoffwechselerkrankungen - wie Diabetes, Fettleber und mehr. Es handelt sich um einen Teufelskreis aus ungenügender Bewegung, weniger Kalorienverbrauch bei gleichbleibender/erhöhter Kalorienzufuhr, Gewichtszunahme, dadurch noch weniger Bewegung etc. Aber ab wann wird ein Tier als dickleibig bezeichnet?

 

Man sagt, dass bereits ein Körpergewicht von 10% über dem Idealgewicht als Übergewicht gilt. Idealgewichtsangaben findet man je nach Rasse und Alter in verschiedenen Tabellen; sie sind jedoch stark abhängig von der individuellen Körperstatur. Die Durchschnittskatze der Rasse Europäisch Kurzhaar wird mit ca. 4kg Körpergewicht veranschlagt. Bei einem normalgewichtigen Tier sollten die Rippen fühlbar und eine Taille sichtbar sein. Fettleibigkeit entsteht durch die Zufuhr von zu vielen Kalorien, auch wenn die Futtermenge an sich nicht immer sehr groß erscheint. Entscheidend ist jedoch die individuelle Stoffwechsellage – vergleichbar beim Menschen: Der Eine kann Unmengen essen und wird nicht dicker; bei einem Anderen rächt sich jede Süßigkeit.

 

Oft sind es die kleinen regelmäßigen Leckereien zwischendurch, die langsam und kaum merklich das Körpergewicht in die Höhe treiben. Beim Hund sind es die Essensgaben vom Tisch oder auch (scheinbar kalorienarme) Kauprodukte. So beinhaltet z. B. ein 190g schwerer Rinderhautknochen knapp 700kcal. Das entspricht rund 66% des täglichen Energiebedarfs eines 25kg schweren kastrierten Hundes (Angaben laut Royal Canin und Dr. Natalie Dilitzer).

 

Bei der Katze decken bereits 30g Schinken den kompletten täglichen Energiebedarf. Hier liegt das Problem häufig auch an ständig zugänglichem Trockenfutter statt der portionsweisen restriktiven Fütterung. Um den oben genannten Kreis von zu wenig Bewegung und zu viel Kalorien zu durchbrechen, bedarf es strenger Disziplin, Futterumstellung, Bewegungszunahme und Durchhaltevermögen. Das Gewicht sollte allmählich reduziert werden, damit kein unerfreulicher Jojo-Effekt auftritt.

 

Am effektivsten ist sicherlich die professionelle Rationsberechnung und Diätdurchführung. Light-Produkte sind nicht genormt und oftmals kaum kalorienreduziert. Kommerzielle Abnehmdiäten vom Tierarzt sind wirkungsvoll, aber man muss die Mengenangaben genau einhalten und regelmäßige Gewichtskontrollen durchführen. Auf die Gabe von Zwischenmahlzeiten sollte verzichtet bzw. das reguläre Trockenfutter als Leckerei verabreicht und von der täglichen Futterration abgezogen werden. An die zunehmende Bewegung (Spaziergangs-Ausdehnungen, Begleitung am Fahrrad) sollte der Hund langsam herangeführt werden. Indoor-Katzen sind zum Spielen zu animieren.