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Bakterien und Viren im Wandel

Viele Lebewesen versuchen durch eine Anpassung an veränderte Umweltverhältnisse ihr Weiterleben zu sichern.

Bekannt ist dieses insbesondere bei Bakterienstämmen, die gegen bestimmte Antibiotika resistent werden. Dabei bewirken spontane und zufällige Veränderungen im Erbgut einzelner Individuen, sogenannte Mutationen, einen Überlebensvorteil, wodurch ihre Gene weitervererbt werden. Auch Viren können sich weiter entwickeln, wie die aktuelle Situation der Vogelgrippe zeigt, und ein mögliches Impfversagen kann die Folge sein. Denn bisherige Impfstoffe wirken häufig nur gegen die "altbekannten" Erreger.

In der Tiermedizin gibt es zwei klassische Beispiele für gewandelte Krankheitskeime: Die Leptospiren beim Hund und die Erreger der Chinaseuche beim Kaninchen.

 Leptospirose

Früher auch Stuttgarter Hundeseuche genannt, wird die Leptospirose durch ein spiralförmiges Bakterium verursacht. Die Übertragung erfolgt hauptsächlich durch den Urin erkrankter Tiere, häufig Wildnager. Der Erreger vermehrt sich besonders im Spätsommer in stehenden Gewässern, beispielsweise Pfützen, oder langsam fließenden Seen, so dass sich vor allem badende Hunde anstecken. Die Infektion führt zu Fieber, Durchfall und Erbrechen aber auch zu akutem Nierenversagen und Leberschäden.

 Es gibt mehr als 250 verschiedene Untertypen des Erregers. Die ursprünglichen Impfungen richteten sich weitestgehend gegen zwei dieser krankmachenden Varianten. Seit einigen Jahren ist nun ein neuer, erweiterter Impfstoff auf dem deutschen Markt, der gegen die vier wichtigsten Untergruppen schützt. Wichtig ist, dass die Impfung mindestens einmal pro Jahr erfolgen muss, denn auch der Mensch kann sich infizieren.

 Chinaseuche beim Kaninchen

Die Rabbit Haemorrhagic Disease (RHD) wurde erstmals 1984 in China entdeckt. Der Erreger wird durch Insekten und kontaminiertes Grünfutter übertragen. Besonders betroffen sind junge und ungeimpfte Kaninchen. Es kann zu einem regelrechten Massensterben führen, wobei die Tiere innerhalb von 12 bis 36 Stunden an hohem Fieber, Krämpfen, Blutungen und Atemnot verenden. Eine Behandlung ist nicht möglich.

 Seit 2010 ist eine neue Virusvariante bekannt, die erstmals in Frankreich aufgetreten ist. Das RHD2-Virus befällt besonders sehr junge Kaninchen und tötet auch geimpfte Tiere. 2013 trat es zuerst in Nordrhein-Westfalen auf und ist mittlerweile in ganz Deutschland verbreitet. Die gängigen Impfungen, in der Regel Kombinationen auch gegen Myxomatose, bewirken nur einen Teilschutz. Effektiver scheinen Einzelimpfstoffe zu sein, die halbjährlich verabreicht werden müssen. Seit Anfang dieses Jahres gibt es zwei neu zugelassene, spezielle RHD2-Impfstoffe, die erfolgversprechend und auch für chronisch kranke Kaninchen gut verträglich sind.