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Warum braucht der Tierarzt eine Urinprobe?

Hilfe! Mein Hund ist unruhig und hebt die ganze Zeit das Bein, aber es kommt nur tröpfchenweise Urin.

Meine Katze trinkt in letzter Zeit viel und magert ab; eine notwendige Blutabnahme ist jedoch ohne Narkose nicht möglich. Ich musste am Wochenende mit meinem Kater in die Notfallklinik, da er keinen Harn mehr absetzen konnte. Wie kann ich den Diabetes-Status meines Hundes überprüfen?

 

All dies sind Fragestellungen, bei denen eine Urinuntersuchung hilfreich ist. Zur Harnprobengewinnung beim Hund bedient man sich am besten einer Suppenkelle, die beim morgendlichen Gassi-Gehen untergehalten wird. Der Mittelstrahlurin ist dabei - wie beim Menschen - der aussagekräftigste. Katzen lassen sich auf diese Art meist nicht "austricksen". Deshalb gibt es spezielle Perlen, die - anstatt der normalen Streu - ins Klo gegeben werden. Diese saugen nicht auf, so dass der Harn problemlos entnommen und abgefüllt werden kann. Die Probe sollte möglichst frisch zum Tierarzt gebracht oder zwischenzeitlich im Kühlschrank gelagert werden.

 

In der Praxis wird ein Schnelltest mittels eines Sticks durchgeführt. Dabei können mit bloßem Auge nicht sichtbare Spuren von Blut oder dessen Abbauprodukten aufgedeckt werden. PH-Wert und der Grad an Entzündungszellen sind messbar. Mit einem so genannten Refraktometer wird das spezifische Gewicht bestimmt, welches Auskunft über die Konzentrations- und damit Funktionsfähigkeit der Niere gibt.

Nach Zentrifugation und Ablagerung der Schwebeteilchen am Boden des Reagenzglases erfolgt deren Ansicht unter dem Mikroskop. Hierbei werden Art und Häufigkeit von gefundenen Zellen,  Bakterien, Kristallformationen und sonstigen Bestandteilen beurteilt.

Bei Verdacht auf bestimmte Erkrankungen (Nierenprobleme, Hormonentgleisungen) wird die Urinprobe zur weiteren Untersuchung ins Labor geschickt. Die Ergebnisse liegen meist innerhalb weniger Tage vor und führen zu Behandlungen oder weitergehenden Untersuchungen.

 

Um auf die obigen Eingangssätze zurückzukommen:

Der Hund hatte eine Blasenentzündung, die mittels einer Urinuntersuchung leicht diagnostiziert werden konnte. Bei der Katze wurde eine Nierenerkrankung festgestellt. Der Kater hatte Struvit-Kristalle, welche die Harnröhre verstopft hatten. Bei einem Hund mit gut eingestelltem Diabetes sollten kein Zucker im Urin nachweisbar sein.