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Die immer seltener werdende Hundestaupe

Bei der „klassischen“ Hundeimpfung wird gleich mehreren Krankheiten vorgebeugt:

1. Staupe, 2. Hepatitis, 3. Parvovirose, 4. Zwingerhusten, 5. Leptospirose und 6. Tollwut.

Dank der flächendeckenden Impfvorsorge in Deutschland ist die Staupe-Erkrankung nicht mehr allzu häufig anzutreffen. Meist handelt es sich um Tiere aus dem (osteuropäischen) Ausland.

 

Das Staupevirus ist dem menschlichen Masernvirus ähnlich. Es wird durch die Sekrete und Exkremente von erkrankten und ausscheidenden Hunden übertragen. Die Inkubationszeit beträgt wenige Tage. Nach der oralen Aufnahme des Parasiten gelangt dieser über die Lymphzellen in den Verdauungs-, Atmungsapparat und das Nervengewebe, wo er sich vermehrt. In der ersten Krankheitsphase kommt es zu Fieber, Allgemeinstörungen, Appetitlosigkeit, Durchfall und Bindehautentzündung. Je nach Alter, individueller Immunlage und dem gleichzeitigen Auftreten von anderen Viren können weitere Organschädigungen folgen.

 

Bei der gastrointestinalen Form kommt es zu schwerem Durchfall und Erbrechen, Austrocknung und Abmagerung. Augenveränderungen wie Lichtscheue, Hornhautgeschwüre und Blindheit treten auf. Der Befall des respiratorischen Systems lässt eine Lungenentzündung mit Husten, Atemnot und möglichem Kreislaufkollaps entstehen. Die nervöse Variante tritt meist im Anschluss auf, manchmal auch erst nach einigen Wochen/Monaten der Genesung. Sie führt zu einer eitrigen Gehirnentzündung, welche sich in Anfällen, Krämpfen und Lähmungen äußert.

 

Als Folge einer Staupeinfektion im Zahnwechselalter werden Schmelzdefekte verursacht, die später am Gebiss sichtbar bleiben (sogenanntes Staupegebiss). Auch übermäßige Verhornungen des Nasenspiegels und der Zehenballen (sogenannte Hard pad disease) sind mögliche bleibende Schäden einer überstandenen Infektion.

 

Das kombinierte Auftreten von verschiedenen Symptomenkomplexen ist relativ typisch für die Erkrankung. Zur Diagnoseabsicherung sollte eine Blutuntersuchung durchgeführt werden. Oftmals treten Staupe- und Parvovirose-Infektionen gleichzeitig auf. Die Prognose ist vorsichtig zu stellen, besonders bei der nervösen Form.

 

Medikamente gegen Viren existieren nicht; es erfolgt eine symptomatische Behandlung des Tieres. Das Immunsystem wird medikamentös gestärkt und sekundären Infektionen durch Antibiotika vorgebeugt. Wichtig ist die ausreichende Vitamin- und Flüssigkeitsversorgung. Mit konsequenter Impfung kann Staupe kontrolliert werden. Welpen sollten frühestens im Alter von 8 Wochen geimpft werden; Wiederholungen erfolgen nach 3-4 Wochen und einem Jahr.