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Hund versus Wolf

Ein Vergleich aus ernährungsbiologischer Sicht.

Es war lange Zeit unklar und umstritten, ob der Hund nun vom Wolf, Kojoten oder Goldschakal abstammt. Alle vier haben die gleiche Anzahl von Erbmaterial - nämlich 78 Chromosome.

Mittlerweile ist weitestgehend anerkannt, dass die Domestikation vor mehr als 10.000 Jahren vom asiatischen Wolf ausging; die genetische Übereinstimmung beträgt 99,8%.

 

Domestikation bedeutet Zucht und Nutzung durch den Menschen, wodurch ein Wildtier zum Haustier wird. Die Anpassung an den Menschen hat auch anatomische Veränderungen mit sich gebracht. So sind Gehirn, Herzgewicht und Zähne beim Hund kleiner als bei der ursprünglichen Wildform.

 

Hunde und ihre Ernährungsweise haben sich gleichzeitig mit dem Menschen im Laufe von Jahrtausenden entwickelt. Es ist ein Verdauungssystem entstanden, welches mehr Variationen verträgt und braucht. Gleichzeitig wurde durch die Vielfalt der Rassen und Formen beim Hund ein extrem breites Spektrum an Körpergewichten (1 bis 80kg) gezüchtet. Dadurch kommt es zu Unterschieden in der Relation von Verdauungstrakt zu Körpermasse; große Rassen haben einen relativ kleineren Verdauungsapparat.

Freilebende Wölfe haben - im Gegensatz zu unseren Haushunden - unregelmäßige Mahlzeiten und zeigen erhebliche Appetitschwankungen. Sie fressen besonders viel im Herbst und prozentual etwa doppelt so viel wie Hunde. Wölfe stürzen sich geradezu auf das Futter und würgen in kurzer Zeit riesige Mengen herunter. Der Hund besitzt 30 verschiedene Gene für das Enzym Amylase, welches für den Kohlenhydratabbau benötigt wird, während der Wolf nur 2 entsprechende Gene aufweist.

 

Es wird oft die Frage gestellt, ob man Hunde - wie ihre Vorfahren - vornehmlich mit Fleisch ernähren sollte und ob Getreide schädlich sei. Der Wolf ist ein Fleischfresser (= Karnivor). Er benötigt aufgrund seiner Jagdaktivität viel Energie durch Eiweiße und Fette. Die Verdauung von Pflanzenbestandteilen ist unzureichend, weshalb sie vorverdaut durch den Beutetiermagen aufgenommen werden.Der Hund dagegen ist ein Allesfresser (= Omnivor). Er hat dank seiner veränderten Verdauungseigenschaften eine 5fach bessere Verwertung von pflanzlicher Stärke. Deshalb sollte eine Futterration sowohl aus Proteinen (Fleisch) als auch Kohlenhydraten (Getreide) bestehen - in ungefähr gleichem Verhältnis.