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Skeletterkrankung bei Junghunden

Aufgrund der allgegenwärtigen Diskussion um das BARFen (siehe gesonderter Artikel) möchte ich Ihnen einen aktuellen Fall aus meiner Praxis vorstellen, der zur Vorsicht aufrufen soll.

Vor 2 Monaten kam ein 5 Monate alter Collie mit plötzlichem Fieber und hochgradiger Lethargie und Lahmheit in meine Praxis. Das Tier konnte kaum (auf)stehen, hatte einen steifen Gang und massive Schmerzen. An den Vorderläufen fielen beidseits hart-schmerzhafte Verdickungen der Gelenke auf. In den angefertigten Röntgenaufnahmen zeigten sich massive Auftreibungen an mehreren Knochen und verdichtete Wachstumsfugen. Die Diagnose lautete HYPERTROPHE OSTEODYSTROPHIE.



Dabei handelt es sich um eine Wachstumsstörung des Knochens. Die Ursachen sind bis dato unklar; Virusinfekte, mangelhafte Futterzusammensetzung und/oder genetische Veranlagung werden diskutiert. Die Krankheit tritt überwiegend bei schnell wachsenden Junghunden grosser Rassen auf.


Es stellte sich heraus, dass die Tierhalterin seit Welpenalter für das Tier selber kochte, jedoch niemals eine Rationsberechnung vorgenommen hatte. Dabei ist gerade bei grossen Rassen während des Wachstums eine korrekte Fütterung sehr wichtig. Die häufige Überversorgung mit Energie sowie Fehler bei der Ca-Versorgung (meist zu viel durch Mineralmischungen oder zu wenig durch reine Fleischfütterung) können zu Störungen am Bewegungsapparat führen; die Hunde wachsen dann zu schnell. Wichtig ist, dass das Wachstum durch regelmäßige Gewichtskontrollen überwacht wird und die Rationszusammensetzung an das jeweilige Gewicht/Alter des Tieres angepasst wird.



Dem Patienten geht es mittlerweile wieder gut! Nach anfänglicher Ruhe, Schmerzmittel-Gaben und radikaler Futterumstellung bzw. -optimierung (unter Anleitung des Instituts für Tierernährung der Universität) zeigten die Röntgenbilder bereits nach einem Monat deutliche Verbesserungen der Knochenstruktur. Es bleibt zu hoffen, dass keine dauerhaften Schäden an der Knochensubstanz zurückbleiben.

 


Dieser Fall verlief noch relativ harmlos. Einige Hunde müssen - trotz Therapie - wegen des anhaltend hohen Fiebers und der schwerwiegend dauerhaften Schmerzen letztendlich eingeschläfert werden.



An diesem Beispiel wird noch mal deutlich, wie wichtig die richtige Ernährung - gerade in der Wachstumsphase - ist. Fertigfutter sind meist besser auf die Bedürfnisse eines Junghundes ausgerichtet als selbstgekochte Rationen. Will man dennoch auf Letztere nicht verzichten, so ist es unbedingt ratsam, sich sorgsam mit dem Thema BARFen zu beschäftigen und zuweilen die Hilfe eines Fachmannes hinzu zu ziehen.