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Rassebedingte Krankheiten

Mittlerweile sind 343 verschiedene Rassen im Deutschen Hundevereinsregister gemeldet und es kommen immer neue hinzu. So gibt es seit einiger Zeit neue Kreuzungen populärer Rassen, wie z.B. der Labradoodle, eine Mischung aus Labrador und Pudel.

Andere Rassen werden immer weiter auf bestimmte „Schönheitsideale“ hin selektiert, wobei diese Merkmale nicht unbedingt zum Wohle des einzelnen Tieres sind.

 

Im Folgenden möchte ich auf einige zuchtbedingte Eigenschaften/Krankheiten eingehen, die vielleicht nicht jedem in diesem Ausmaß bekannt und bewusst sind.

 

Seit langem ist bekannt, dass die abfallende Rückenlinie des Deutschen Schäferhundes mit einer Deformation der Hüftgelenke einhergeht, die so genannte Hüftdysplasie (HD). Der zuständige Zuchtverband bemüht sich zwar um deren Ausmerzung, indem junge Tiere geröntgt, von offizieller Stelle her beurteilt und notfalls von der Zucht ausgeschlossen werden. Aber diese Selektion zeigt erst nach vielen Hundegenerationen Erfolg und erfordert eine strenge Kontrolle und strikte Durchführung.

 

Besonders in Mode sind die kurzköpfigen Rassen wie Mops, Bulldogge, Pekingese, Shih-Tzu und andere. Sie sind gekennzeichnet durch große „Kuller-Augen“, eine kurze Nase mit verkürztem Oberkiefer, einen viel zu engen Rachenraum sowie eine relativ zu große Zunge. Dadurch sind die oberen Luftwege auf anatomisch engstem Raum zusammengepfercht und können ihre Funktion des Luftaustausches nicht ausreichend erfüllen. Auch die Thermoregulation ist dadurch gestört, was sich in einer erhöhten Anfälligkeit gegenüber Wärme zeigt. Die Tiere haben eine geräuschvolle Atmung, besonders beim Einatmen und Schlafen. Sie schnorcheln und röcheln fast die ganze Zeit, und im Extremfall kann es aufgrund der Atemnot zu massiven Lebenseinschränkungen bis hin zum Koma kommen. Oft hilft nur ein chirurgischer Eingriff, um den Hunden ein leidvermindertes Leben bieten zu können.

 

Das Rassemerkmal „korkenziehförmiger Schwanz“ bei Mops und Bulldogge geht einher mit der Verkrüppelung von Wirbelkörpern besonders im vorderen Wirbelsäulenbereich. Durch die dortige Einengung des Rückenmarks kommt es zu nervösen Ausfällen, so dass diese Hunde oft einen torkelnden Gang, Lähmungen der Hinterhand oder andere schwerwiegendere Defekte und womöglich lebenslange Schmerzen aufweisen.

 

Das Gen für die Ausbildung des Haarstrichs beim Rhodesian Ridgeback führt in manchen Fällen zu einer Deformation des Rückens, die man Spina bifida nennt. Die Tiere können in diesem Bereich Infektionen bis ins Rückenmark erleiden.

 

Der West Highland White Terrier neigt zu Allergien, Hautproblemen und Lungenfibrosen.

 

Der Shar Pei mit seinen vielen Hautfalten erleidet häufig Hautinfektionen und Milbenbefall. Zudem ist die Hautfunktion gestört, Wunden heilen schlecht. Es kann zur Ausbildung der Cutanen Mukoviszidose kommen; eine Erkrankung, bei der die Haut besonders an den Hinterschenkeln stark anschwillt und schleimiges Sekret absondert.

 

Bei den Lagotto Romagnolos ist ein vermehrtes Auftreten der Juvenilen Form der Epilepsie bekannt.

 

Die Liste läßt sich beliebig fortführen. Jeder sollte sich also vor dem Neukauf eines Hundes genau informieren, welche Rassen welche genetischen Nachteile/Defekte mit sich bringen und ob man gewillt ist, dieses Risiko und die Verantwortung und – in einem gewissen Masse – auch Mitschuld zu tragen.