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Zeckenmittel – was wirkt wie??

Ich werde oft in der Praxis gefragt, welche Zeckenabwehr denn nun am effektivsten ist und wie der Schutz im Einzelnen funktioniert. Deshalb hier ein Überblick über die häufigsten zugelassenen Präparate beim Tier und deren Wirkmechanismen.

Dabei sei darauf hingewiesen, dass nur die nachweislich pharmakologisch wirksamen Substanzen aufgeführt werden. Auf pflanzliche Stoffe (Kokosöl, Knoblauch), homöopathische Mischungen oder überlieferte Rezepte möchte ich an dieser Stelle nicht eingehen, auch wenn diese sicherlich in gewissen Maßen Wirkung zeigen.

 

Bei der Katze gibt es nur wenige zugelassene Medikamente. Der alteingesessene Wirkstoff Fipronil wird als Spray oder Spot-on-Ampulle im Nacken aufgetragen. Er lagert sich in den Haardrüsen der Haut ab und wird durch den Talg über den gesamten Körper verteilt. Da im Kopf- und Pfotenbereich nicht so viele Talgdrüsen vorhanden sind, kann der Effekt dort vermindert sein. Durch die ausgeprägte Fellpflege der Katze wirkt Fipronil hier kürzer (2 Wochen) als beim Hund (4 Wochen). Die Substanz fungiert als Kontakt- und Nervengift bei den Insekten. Die lähmende Wirkung bei der Zecke tritt meist jedoch erst nach 24 Stunden ein, sodass es noch zu Zeckenstichen und eventuellen Krankheitsübertragungen kommen kann.

 

Deshalb ist beim Hund der Wirkstoff Permethrin sinnvoller. Er verteilt sich ebenfalls über die Talgdrüsen, hat jedoch für Flöhe, Zecken und andere Parasiten einen vorab abweisenden Effekt wie eine heiße Herdplatte. Somit kommt es gar nicht erst zu einem Zeckenstich; der bloße Kontakt führt nach kurzer Zeit zu Lähmungen. Für Warmblüter ist die Substanz kaum toxisch. Es ist wichtig, das Tier 1-2 Tage vor und nach der Behandlung nicht zu waschen/schwimmen zu gehen, damit sich überhaupt genügend Talg in den Drüsen befindet. Nachteilig kann es zu lokalen Hautreizungen und Resistenzbildung kommen.

 

Bei der Katze darf Permethrin niemals angewendet werden, da aufgrund eines Enzymmangels die Gefahr einer Vergiftung mit zentralnervösen Störungen besteht.

 

Für den Hund gibt es Kautabletten auf dem Markt, die – je nach Zeckenart – 8-12 Wochen Schutz versprechen. Als Nebenwirkung kann es in seltenen Fällen zu milden Magen-Darm-Problemen kommen. Der Wirkstoff Fluralaner lagert sich besonders im Fettgewebe ab und wirkt bereits 12 Stunden nach Eingabe. Auch hierbei wird das Nervensystem der Parasiten gehemmt, allerdings erst nach Anheftung am Wirt und erfolgter Nahrungsaufnahme (Zeckenstich). Da der Mensch durch Streicheln und Kuscheln des Haustieres nicht in direkten Kontakt mit dem Mittel kommt, ist der Einsatz in Haushalten mit kleinen Kindern unbedenklich.

 

Es ist anzumerken, dass oben genannte Präparate bei Welpen und kranken Tieren nur eingesetzt werden sollten, wenn die Zeckenexpositionsrate besonders groß ist. Ansonsten empfiehlt sich die tägliche Kontrolle auf Ektoparasitenbefall und deren sofortige Beseitigung – ggf. mit einer im Handel erhältlichen Zeckenzange. Gebiete mit hohem Zeckenbefall sind zu meiden.