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Der Morbus Addison - eine Hormonstörung

So klein die beiden Nebennieren sind (sie liegen seitlich der Nieren, daher der Name), so groß ist doch ihre Funktion und Bedeutung.

 

Sie sind unterteilt in eine Mark- und Rindenregion. Dabei produziert das Mark die so genannten Katecholamine (z. B. Adrenalin), während die Rinde für die Bildung von Mineralo- und Glukokortikoiden verantwortlich ist. Glukokortikoide (wie das Cortisol) sind lebensnotwendig und haben viele Funktionen: Unter anderem stimulieren sie den Appetit, regulieren das Immunsystem und beeinflussen wiederum andere Hormone im Körper.

 

Als Folge einer Autoimmunerkrankung, Entzündung, nach langer Cortisonbehandlung oder durch Tumore kann es zur Zerstörung der Zellen der Nebenniere kommen. Dadurch werden die wichtigen Mineralokortikoide weniger gebildet; die Kalium-, Natrium-, Chlor- und Wasserkonzentrationen geraten aus dem Gleichgewicht. Es kommt zum Blutdruckabfall, Beeinträchtigung der Herzfunktion, Magen-Darm-Störungen und genereller Immunschwäche. Die Erkrankung heißt Addison oder auch Hypoadrenokortizismus.

 

Die Krankheit (lateinisch Morbus) entwickelt sich über Monate. Bei der chronischen Form überwiegen Symptome wie Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen, Abmagerung, vermehrtes Trinken/Pinkeln, Zittern und Leistungsabfall. In Stresssituationen - auch verursacht durch Infektionen - kann diese dann in den akuten Fall übergehen, der eine lebensbedrohliche Krise darstellt. Die Tiere werden apathisch und schwach beim Tierarzt vorgestellt, oftmals in Seitenlage mit Schocksymptomatik.

 

Eine Blutuntersuchung führt zur Diagnose. Bezeichnend ist ein Missverhältnis von Natrium zu Kalium, in komplexen Fällen sind Hormonuntersuchungen im Labor notwendig. Die Therapie mit Hormonersatzpräparaten muss lebenslang erfolgen und ist nicht billig; regelmäßige Blutkontrollen sind unerlässlich. Wichtig ist, die möglichst niedrigste wirksame Dosis zu verabreichen. Bei zu hohen Gaben kann die Erkrankung nämlich in ihr "Gegenteil" entgleisen; es kommt zum Cushing-Syndrom.

 

Die Krankheit kommt nicht häufig, bei Katzen noch seltener vor. Meist sind jüngere Hunde großer Rassen betroffen (u. a. Retriever, Labrador, Bearded Collie). Hündinnen erkranken eher als Rüden. Bei guter Medikamenteneinstellung, regelmäßiger Tabletten-Gabe und sorgfältiger Überwachung kann der Patient ein normales und langes Leben führen.