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Hilfe - mein Hund krampft!

Ihre feinen Sinne machen es möglich, dass Vierbeiner beispielsweise als Blinden- und Drogenspürhunde eingesetzt werden.

Und auch zum Erschnüffeln von Krebszellen, Diabetesschüben und Epilepsieanfällen können sie hervorragende Dienste leisten. Für den Tierbesitzer ist es ein Horrorszenario, wenn derartige Erkrankungen das Haustier auch selbst treffen.

In der Vorphase eines epileptischen Anfalls wird der Vierbeiner unruhig und ängstlich, manchmal auch anhänglich oder aggressiv oder weist einen hilfesuchenden Blick auf. Dann kommt es zu neurologischen Ausfallserscheinungen mit Gleichgewichtsstörungen, Umfallen und rhythmischen Krämpfen an den Gliedmaßen. Dies kann bis zur Bewusstlosigkeit führen mit starkem Speicheln und unkontrolliertem Urin-/Kotabsatz. Das Ganze dauert meist nur wenige Minuten. Danach ist der Hund noch einige Zeit desorientiert und laufunfähig, hat zum Teil Heißhunger.

Als Status epilepticus bezeichnet man einen sich nicht selbst-limitierenden Anfall von mehr als fünf Minuten Dauer. Je nach Länge des Geschehens und der damit verbundenen Sauerstoffunterversorgung im Gehirn kann es im schlimmsten Fall zu bleibenden Schäden oder sogar zum Tod führen. Während einer Krampfattacke kann der Tierbesitzer nur wenig tun. Ratsam ist es, möglichst ruhig zu bleiben und den Hund weich zu lagern, damit er sich bei den heftigen Bewegungen nicht verletzt. Abzuraten ist in jedem Falle das Ergreifen des Fangs greifen, da auch die Kaumuskulatur verkrampft und enorme Kräfte entwickelt. In chronischen Krankheitsfällen können Zäpfchen zur Beruhigung und Muskelentspannung in den Anus eingeführt werden.

Als mögliche Ursachen gelten Stoffwechselstörungen, Kreislauferkrankungen, Schädel-Hirn-Traumata, Gehirnveränderungen oder eine genetische Veranlagung. Meist finden sich trotz aufwändiger Untersuchungen keine erklärenden Krankheitsauslöser; man spricht dann von einer idiopathischen Epilepsie.

Ungefähr 0,6 Prozent aller Hunde leiden daran. Einige Rassen sind besonders häufig betroffen, wie der Retriever, Border Collie, Belgische Schäferhund, Lagotto Romagnolo. Die ersten Anfälle treten meist im Alter von sechs Monaten bis fünf Jahren auf - unabhängig vom Geschlecht. Auffällig ist, dass Ausbrüche nahezu immer in der vertrauten Umgebung und vor allem in Ruhezeiten – nachts oder früh morgens – stattfinden; es besteht somit kein Zusammenhang zu körperlicher Anstrengung.

Eine Behandlung ist erst sinnvoll beim wiederholten Auftreten von Anfällen in immer kürzeren Abständen von weniger als sechs Monaten. Es gibt mittlerweile verschiedene Antiepileptika auf dem Markt, die jedoch nicht nebenwirkungsfrei sind und zur vollständigen Anfallsfreiheit führen. Manchmal kann eine Kombination von verschiedenen Arzneien Besserung bringen. Die Einstellung der richtigen, individuellen Medikamentendosierung erfordert viel Geduld und finanziellen Aufwand. Die Therapie muss regelmäßig und lebenslang erfolgen; die Lebenserwartung der Patienten ist meist verkürzt.