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Stupsnase und Kulleraugen

Viel Tierfreunde erliegen dem Charme des so genannten Kindchenschemas: Tiere mit großen Kulleraugen und rundlich-gedrungenem Kopf. Die Rede ist von den brachyzephalen (kurzköpfigen) Rassen, wie Mops, Französische und Englische Bulldogge, Pekinese, Cavalier-King-Charles-Spaniel und Perserkatze.

 

Was für manchen Tierliebhaber eine wahre Freude ist, bereitet den betroffenen Individuen oftmals Schmerzen und Leid. Denn durch die angeborene Deformation und Verkürzung des Schädels, kommt es zum Zusammenschieben von Ober- und Unterkiefer und den umliegenden Strukturen. Die Haut über der Nase und im Gesicht ist in Falten gelegt, die Augen treten hervor und das Gebiss ist schief. Die Missbildungen umfassen auch eine Verengung der Nasenwege, eine Verlängerung des Gaumens und Überproportionalität der Zunge. Dadurch wird der Luftstrom mannigfaltig behindert und führt zu Atemgeräuschen und angestrengter Atmung. Bei Belastung, Stress und hohen Umgebungstemperaturen verstärken sich die Symptome. Die Tiere hecheln ständig und leiden unter, Angstzuständen durch Atemnot und Schlaflosigkeit. Zudem sind viele Hunde zu dick, da sie oft als Schoßhündchen gehalten werden, was die Problematik potenziert.

Das ständige aneinander reiben von Haut und Haaren in den Gesichtsfalten führt zu chronischen Entzündungen. Der Lidschluss bei den übergroßen Sehorganen ist mangelhaft, was häufig zu Verletzungen, trockenen Augen und Geschwüren auf der Hornhaut führt. Der doppelt-geknickte Schwanz bei den brachyzephalen Rassen ist genetisch kombiniert mit der Ausbildung von unsymmetrischen Keilwirbeln. Diese führen zu einer Instabilität der Wirbelsäule, Einengung des Wirbelkanals und Quetschung des Rückenmarks. Die Folgen sind Schmerzen, ein unkoordinierter Gang bis hin zu Lähmungen.

Tierärzte werden zunehmend mit diesen Modehunden und ihren zuchtbedingten Krankheiten konfrontiert. Durch die entsprechende Nachfrage und dadurch weitergehende Zucht treten die Probleme mittlerweile in immer früherem Lebensalter und mit zunehmendem Schweregrad auf. Erschreckend dabei ist, dass viele Hundebesitzer das Schnarchen oder die Kurzatmigkeit ihres Vierbeiners als normal ansehen. Andere sind sich von vorne herein über die Notwendigkeit eines operativen Eingriffs im Klaren, bei der das Gaumensegel gekürzt und die Nasenlöcher geweitet werden.

 Das Tierschutzgesetz legt zwar in §1 fest, dass einem Wirbeltier ohne vernünftigen Grund keine Schmerzen, Leid oder Schäden zugefügt werden dürfen. Und der so genannte Qualzuchtparagraph 11b untersagt die Zucht von Tieren, bei deren Nachkommen zu erwarten ist, dass Körperteile für den artgerechten Gebrauch fehlen oder untauglich oder derart umgestaltet sind, dass sie zu Schmerzen, Leiden oder Schäden führen.

Aber letztendlich trägt der Interessent und Käufer die Hauptverantwortung. Er bestimmt, in welche Richtung sich die Zucht bewegen soll. Umso wichtiger ist die Bedeutung einer umfassenden Information über die jeweilige Rasse, deren Eigenarten, die zuchtbedingten Probleme und weniger das Folgen eines modischen Trends.