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FIP - eine mysteriöse Erkrankung

Es kommt eine Katzenzüchterin mit einem relativ jungen Tier in die Praxis, dem es sehr schlecht geht. Die Katze ist anteilnahmslos und abgemagert, der Bauch unverhältnismäßig dick und aufgequollen.

Durch "Anpieksen" mit einer kleinen Nadel kann schließlich eine Flüssigkeit gewonnen werden, die das Schlimmste vermuten lässt: Es handelt sich um die Erkrankung FIP!

 

Die Feline Infektiöse Peritonitis (FIP) wird seit 1954 offiziell beschrieben. Sie ist eine weltweit wichtige Krankheit bei Katzen und bis heute noch nicht vollkommen erforscht. Sie gilt als unheilbar, fortschreitend und endet fast immer tödlich. Es sind hauptsächlich Tiere im Alter von 6 Monaten bis 5 Jahren betroffen, besonders Mehrkatzenhaushalte und Rassekatzen wie Birma, Siamese und Maine Coon.

 

Der Auslöser ist das Coronavirus, welches auch bei gesunden Katzen im Darm vorkommen kann. Es wird durch Kot und Speichel übertragen. Erst bei einer spontanen, genetischen Veränderung des Erregers entfaltet sich seine krankmachende Wirkung. Dabei geht oftmals eine Schwächung des Immunsystems der Katze voraus - durch Besitzerwechsel, Trächtigkeit, viele Tiere im Bestand. Das Virus gelangt durch Blutzellen vom Darm in die einzelnen Organe. Bis zum Ausbruch von Krankheitssymptomen können Monate bis Jahre vergehen.

 

Betroffene Tiere zeigen in der Anfangsphase unspezifische Symptome, wie Fieber, Appetitlosigkeit, Abmagerung und Schwäche. Im weiteren Verlauf unterscheidet man 2 Varianten: Bei der "feuchten" Form kommt es zu bernsteinfarbenen Flüssigkeitsansammlungen in den Körperhöhlen; es treten Atemprobleme und Leber-/Nierenerkrankungen auf.

 

Bei der "trockenen" Form wird eher das zentralnervöse System angegriffen, was zu Lähmungen, Verhaltensänderungen und Augenproblemen führt. Für den Tierarzt stellt die Erkrankung eine diagnostische Herausforderung dar, denn es gibt nicht DEN einen Test, der FIP nachweist. Vielmehr sind es eine Mehrzahl von veränderten Blutparametern in Kombination mit den Krankheitssymptomen, die die Verdachtsdiagnose bestärken.

 

Eine spezifische Therapie ist nicht bekannt. Es existiert ein Impfstoff mit einem temperaturempfindlichen Virusstamm, der in die Nase gegeben wird. Das Virus kann sich nur dort (bei 30°C), nicht aber im Restkörper mit einer Temperatur von 37°C vermehren. So wird eine lokale Immunität aufgebaut, die angeblich schützen soll. Die Impfung und ihre Wirkung sind jedoch umstritten.