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Kaninchenzähne wachsen lebenslang!

Kaninchen sind keine einfachen Patienten in der Tierarztpraxis; sie zeigen kaum Schmerzen. Die Tiere werden meist mit recht unspezifischen Symptomen - wie Verkriechen, weniger Fressen und Verdauungsstörungen - vorgestellt.

Diese treten für den Tierhalter oft plötzlich und unerwartet auf, ohne dass sich etwas im Fütterungsablauf geändert hat. Es besteht Handlungsbedarf, denn die absolute Futterverweigerung kann innerhalb von 24 Stunden zum Tod des Tieres durch Stoffwechselentgleisungen führen. Frisst also ein Kaninchen nicht mehr, so muss es umgehend einem Tierarzt vorgestellt und zwangsernährt werden.

 

Die Ursachen liegen häufig in falscher Fütterung, die selten artgerecht ist. Wildkaninchen ernähren sich hauptsächlich von Wildgräsern, Kräutern, Wurzeln und Rinde, also eine faserreiche und kohlenhydratarme Nahrung.Trockenfutter sollte deshalb in nur geringen Mengen (maximal 1 Teelöffel pro Tier und Tag) oder am besten gar nicht verfüttert werden. Das darin enthaltene Getreide kann nicht ausreichend verdaut werden; es kommt zu Störungen der Darmflora. Gleiches gilt für Brot, Haferflocken, Knabberstangen und diverse Leckerlies.

 

Frischfutter muss dagegen zweimal täglich angeboten werden, ca. 100g pro kg Körpergewicht. Dazu gehören Grünfutter (Gräser, Kräuter, Löwenzahn, Salat, Grünkohl = 2/3 der Ration), verschiedene Gemüsesorten (Möhren, Kohlrabi, Sellerie = 1/3 der Ration) und Obst in geringen Mengen. Heu und Wasser muss immer frisch und ausreichend zur Verfügung stehen.

 

Nagematerial (z.B. ungespritzte Obstbaumäste) ist wichtig, damit die Zähne gleichmäßig abgerieben werden. Sonst entstehen scharfe Kanten, die Zunge und Wangenschleimhaut verletzen können. Kalziummangel durch zu viel Trockenfutter bedingt eine schlechte Zahnqualität; die Zähne werden locker und kippen zur Seite.

 

Keime können in den Wurzelbereich eindringen, und es kommt zu hartnäckigen Kieferabszessen. Fehlstellungen der Zähne können auch angeboren sein, treten aber womöglich erst im fortgeschrittenen Alter auf. Typische Anzeichen sind Abmagerung, vermehrtes Speicheln, Zähneknirschen und selektive Futteraufnahme von weichen Bestandteilen. Bei diesen Tieren müssen die Zähne dann lebenslang in bestimmten Zeitabständen (Die Schneidezähne wachsen 1cm pro Monat!) korrigiert werden.