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Das „rollende“ Kaninchen

Mit zunehmender Tendenz und nicht selten werden Kaninchen mit Gleichgewichtsstörungen in der tierärztlichen Praxis vorgestellt. Oft beginnt das Geschehen mit leichter Kopfschiefhaltung zu einer Seite, torkelndem Gang und Appetitmangel.

Aufgrund ihrer Laufunsicherheit bewegen sich die Tiere weniger und ziehen sich zurück. Im Laufe von einigen Tagen kann sich der Zustand verschlimmern: Die Kopfneigung nimmt zu (Verdrehung kann bis zu 150 Grad erreichen); ein Geradeaus-Laufen ist nicht mehr möglich.

 

 

 

Dadurch wird der Gang zum Fressnapf schwierig oder ganz unterlassen. Manche Kaninchen können sich gar nicht mehr auf den Beinen halten und rollen anfallsweise um die eigene Körperachse. Die Symptome verstärken sich bei Aufregung (Handling, Tierarztbesuch). Dabei ist meist das Bewusstsein nicht getrübt. Die Tiere sind ängstlich und schreckhaft, denn das angeborene Fluchtverhalten ist eingeschränkt. Ohne Behandlung kommt es zu einem Fortschreiten der Symptome mit Krämpfen und eventueller Lähmung von Gliedmaßen bis hin zum Tode.

 

Die Ursache einer solchen zentralnervösen Störung ist oft nicht klärbar. Unbemerkte Schädel-Hirn-Traumata, Tumore, Ohrentzündungen, Herzerkrankungen, Vitamin-Mangel und Vergiftungen kommen ebenso in Frage wie verschiedene Krankheitserreger.

 

Hier sei als wichtigster Parasit 'Nosema cuniculi' genannt. Der Erreger wird mit dem Urin ausgeschieden; die Aufnahme erfolgt durch kontaminiertes Futter. Verschiedene Organe werden befallen, insbesondere das Zentrale Nervensystem und die Nieren. Die Diagnose der so genannten ENZEPHALITOZOONOSE kann anhand einer Blutuntersuchung im Labor gestellt werden, jedoch weisen auch teils gesunde Tiere entsprechende Antikörperwerte auf.

 

Die Therapie ist langwierig, umstritten und – je nach Fortschreiten der Symptome – wenig erfolgsversprechend. Täglich müssen Antibiotika, Entzündungshemmer und Antiparasitenmittel gespritzt bzw. eingegeben werden. Zudem sind Zwangsfütterung und/oder Infusionen notwendig.

 

Alle Tiere eines Bestandes sollten untersucht bzw. behandelt werden. Auch der immungeschwächte Mensch kann sich anstecken, so dass verstärkte Hygienemaßnahmen wichtig sind. Verschlechtert sich der Zustand des Patienten trotz Behandlung, so ist die Euthanasie angezeigt.