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Hilfe - mein Hund ist auf Droge!

Manche Hunde fressen alles Mögliche, was sie in der Wohnung oder auf der Straße finden. Dabei erlebt man als Besitzer und auch als Tierarzt zuweilen ungewöhnliche und unschöne Geschichten.

So kam letzte Woche ein junger mittelgroßer Patient in die Praxis, der sich kaum noch auf den Beinen halten konnte und regelrecht torkelte. Auf Nachfragen wurde berichtet, dass der Hund gerne Kot oder Unrat vom Boden aufnimmt. Die Tierhalterin war während ihres Spazierganges in einem Park unterwegs gewesen. Nachdem ihr Liebling kurz im Gebüsch verschwunden war und irgendetwas Undefinierbares gefressen hatte, verlief die nächste Stunde erst mal unauffällig.

Mit fortschreitender Zeit jedoch wurde der Hund immer merkwürdiger: Er speichelte und zitterte, starrte ins Leere, lief wie benebelt durch die Wohnung und fiel dabei mehrmals um. Der Zustand wurde zusehends kritischer und unerklärlicher, sodass die Besitzerin in die Praxis kam.

Es war relativ schnell klar, dass sich das Tier in einem Rauschzustand befand und wahrscheinlich

versteckte Drogen gefunden und verzehrt oder aber Kot von einem Drogensüchtigen gefressen hatte.

Es waren bereits zu viele Stunden vergangen, um das Tier noch wirkungsvoll erbrechen lassen zu können und damit die weitere Resorption von Schadstoffen im Magen-Darm-Trakt zu unterbinden. Da das Gift unbekannt war, konnte kein konkretes Gegenmittel gegeben, sondern nur eine symptomatische Therapie durchgeführt werden. Es wurde viel Flüssigkeit über eine Dauertropfinfusion zugeführt - kombiniert mit einem Mittel, welches die Ausscheidung von Giftstoffen über die Niere fördert. Zudem erfolgte die Gabe eines Anti-Schockmittels und von Aktivkohle. Der Hund lag dabei ruhig und "gechillt" auf dem Boden; die ganze Behandlung ging wie im Trance an ihm vorüber. Nach einigen Stunden verbesserte sich sein körperlicher Allgemeinzustand; das Tier konnte wieder problemlos stehen und war ansprechbar. Bei der Kontrolle am nächsten Tag war der Hund wieder der alte!

Dieser Fall ist zum Glück gut ausgegangen. Man sollte also Hunde, die zur Aufnahme von Fremdstoffen neigen, in unbekannter Umgebung nicht von der Leine lassen. Denn schon 84 Milligramm getrockneter Marihuana-Blätter pro Kilogramm Hund sind giftig und drei Gramm Cannabis pro Kilo können zum Tode führen.