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Dicke Backe

Eine Katzenbesitzerin kommt ganz aufgeregt in die Praxis: Ihr Liebling hat seit gestern eine dicke Backe und will nicht mehr fressen. Was ist passiert?

Womöglich handelt es sich um eine entzündete Zahnwurzel, einen eitrigen Abszess oder im schlimmsten Fall um einen Knochentumor. Die Diagnosemöglichkeiten können oftmals schon eingeschränkt werden, indem eine genaue Besitzerbefragung und Tieruntersuchung stattfindet.

Wie alt ist die Katze? Bei jüngeren Tieren ist das Auftreten von Tumoren eher unwahrscheinlich.

Ist sie Freigängerin? Abszesse treten oft nach Bissverletzungen mit anderen Katzen im Revier auf.

Sind vorher schon Verhaltensänderungen aufgefallen? Wenn ja, dann handelt es sich wahrscheinlich eher um ein chronisches Geschehen. Bei der Allgemeinuntersuchung ist die Katze aufmerksam und macht keinen allzu kranken Eindruck. Es fällt auf, dass das Tier etwas an Gewicht verloren hat; die Rippen sind leicht fühlbar. Die Körpertemperatur ist mit 38,3°C normal, was nicht unbedingt für einen akuten Infekt spricht. Die Zähne sind nicht mehr die "allerneuesten" und weisen Zahnsteinbeläge und Entzündungsherde auf. Die Umfangsvermehrung an der Backe ist bohnengroß, relativ derb und nicht druckempfindlich.

Wie ist nun das weitere Vorgehen?

Röntgenaufnahmen von Kopf und Zähnen sind am wachen Patienten nicht einfach durchführbar. Also wird erst mal eine symptomatische Behandlung gegen die Entzündung und mögliche Bakterien vorgenommen. Im vorliegenden Fall führt dies bereits nach kurzer Zeit zu einer Verbesserung des Zustandes und zum Verschwinden der Beule, wodurch der Tumorverdacht fast ausgeschlossen werden kann.

Nach einigen Wochen jedoch wird die Katze mit den gleichen Symptomen erneut vorgestellt. Daraufhin werden in Narkose Röntgenbilder angefertigt, die mehrere morsche Zahnwurzeln zeigen. Nach dem Entfernen dieser Zähne und einer gründlichen Gebissreinigung geht es dem Vierbeiner seit dem dauerhaft gut.

Obiges Beispiel zeigt, dass sich Katzen Schmerzen nur selten anmerken lassen und diese deshalb vom Besitzer meist erst im fortgeschrittenen Stadium bemerkt werden. Erste Anzeichen können unscheinbare Verhaltensänderungen - wie Rückzug, vermehrtes Schlafen - oder struppiges Fell sein. Die meisten Katzen fressen noch normal trotz massiver Entzündungen an den Zähnen. Auffällig ist eventuell einseitiges Kauen oder das Bevorzugen von bestimmten Futtersorten (Feuchtfutter). Ratsam sind deshalb regelmäßige Zahnkontrollen, z.B. im Rahmen der Impfung. Eine gepflegte Maulhygiene ist wichtig für die Gesundheit und Abwehrkraft des gesamten Organismus.