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Die Fenstersturzkatze

Nicht alle Tierbesitzer haben die Möglichkeit, ihren Katzen Freigang zu bieten. Besonders in Großstädten gibt es oft reine Wohnungskatzen.

Neugier und Jagdinstinkt zeigen sich dennoch bei Fangversuchen von Insekten oder Vögeln. Dadurch wird von den Stubentigern oft ein Balanceakt auf Simsen oder Geländern vollzogen, was nicht selten zu einem Sturz in die Tiefe führt.

Die Schwere der Verletzungen ist u.a. abhängig von der Sturzhöhe. Katzen sind in der Lage, sich im freien Fall um die Längsachse ihres Körpers zu drehen, um dann auf allen Vieren zu landen. Dazu benötigen sie jedoch einige Meter, was einer amerikanischen Studie zufolge ungefähr fünf Stockwerken entspricht. Somit können Unfälle aus niedriger Höhe schwerwiegender sein als solche von Hochhäusern. Der Grad des Traumas ist jedoch auch abhängig von der Bodenbeschaffenheit des Untergrundes.

Am häufigsten findet man bei Fenstersturzkatzen Schürfwunden, Prellungen, Verstauchungen und Nasenblutungen vor. Der Aufprall verursacht starke Erschütterungen besonders im Kopfbereich. Typisch für Stürze aus mittlerer Höhe sind so genannte Gaumenrisse, d. h. im hinteren Gaumenbereich des Oberkiefers platzt das Gewebe auf und lässt eine Gaumenspalte entstehen. Damit wird eine Verbindung zu den Nasenhöhlen hergestellt und die Atmung behindert; eine chirurgische Versorgung ist notwendig.

Oft sind auch Vorderextremitäten oder die Hüfte gebrochen, in schlimmen Fällen die Wirbelsäule. Quetschungen der Rippen können Einblutungen in die Lunge verursachen; dies führt zu Atemnot und Lebensgefahr. Das Zwerchfell kann reißen, wodurch die Bauchorgane in den Brustraum gelangen und die Atmungsfunktion behindern. Die Organe können verletzt werden und zu inneren Blutungen führen, welche nicht immer direkt offensichtlich sind. Platzt die Harnblase, so muss sofort operiert werden. Deshalb ist es unerlässlich, bei gestürzten Tieren den Kot- und besonders Urinabsatz zu kontrollieren.

Kommt es zu einem solchen Absturz, ist ein Tierarzt oder in schwerwiegenderen Fällen eine Tierklinik aufzusuchen. Die Tiere befinden sich oft in einer Schockstarre und sind somit nicht ansprechbar und atmen schwer. Es bedarf der Aufrechterhaltung der lebenswichtigen Funktionen (Herz-Kreislauf und Atmung). Erst wenn der kritische Zustand überwunden ist, werden "Bagatell"-Verletzungen versorgt.

Katzen lernen trotz großer Verletzungen nicht aus ihren Fehlern. Aus diesem Grund ist ein Netz zur Absicherung von Fenstern und Balkone unabdingbar. Eine Identifizierung durch Halsband oder Mikrochip hilft im Notfall das Tier seinem Besitzer zuzuordnen.